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Jugendstudien

Was genau kann unter politischer Bildung verstanden werden und wo findet diese statt? Was beschäftigt junge Menschen? Diese Fragen und mehr thematisiert der 16. Kinder- und Jugendbericht mit dem Schwerpunkt der Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter. Im Mittelpunkt stehen Angebote, Bedingungen und Prozesse, sowie Herausforderungen politischer Bildung (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2020, 45),

„[…] denn demokratische Gesellschaften stehen vor der dauerhaften Herausforderung Kinder- und Jugendliche nicht nur in staatliche und soziale Strukturen zu integrieren (bzw. zu „sozialisieren“), sondern auch ihre Entwicklung als mündige Akteurinnen und Akteure, die ihre Interessen in Politik und Gesellschaft vertreten und aktiv mitgestalten können, zu fördern, ohne diese im gleichen Zuge zu bevormunden oder zu eng zu führen“ (ebd., 117).

In diesem Sinne wurde formale, non-formale und informelle politische Bildung in einer großen Breite analysiert (Bsp. Familie, Schule, Kinder- und Jugendarbeit, digitale Medien etc.). Außerdem werden Handlungsempfehlungen für Praxis, Forschung und Politik formuliert. Durch Jugendworkshops und Interviews sollte die Perspektive junger Menschen in den Bericht mitaufgenommen werden (ebd., 24).

Der Kinder- und Jugendarbeit als Praxisfeld wird ein eigenes Kapitel gewidmet, welches sich nochmal in ihre vielen Bereiche aufgliedert. Ein Teil bezieht sich explizit auf die Offene Kinder- und Jugendarbeit (Teil B, Kapitel 10). Zuerst werden die Potentiale demokratischer Bildung in Räumen der OJKA aufgeschlüsselt und wie diese tatsächlich genutzt werden. Mit Bezug auf aktuelle Studien wird festgehalten, dass Mitbestimmung (bei Verhaltensregeln, Raum- und Programmgestaltung, Personal etc.) tendenziell eher in solchen Bereichen ermöglicht wird, in denen eine Umsetzung verhältnismäßig einfach ist (ebd., 397).

Das bedeutet, dass beispielsweise die Mitbestimmung an Verhaltensregeln in den Einrichtungen nicht überall möglich ist oder bei Regelüberschreitungen dessen zugrunde liegende Norm und die damit zusammenhängenden Konflikte nicht überall verhandelt werden. Der Bericht kritisiert, dass dadurch die Möglichkeit eingeschränkt wird, sich in einer Einrichtung als Teilhaber*in zu erleben und sich als politisches Subjekt zu konstituieren (ebd.). Gleichzeitig wird auf das Potential der OKJA verwiesen, sich nah an der Lebenswelt der jungen Menschen zu orientieren und so das Politische in ihren alltäglichen Themen erkennen und aufgreifen zu können.

Daraufhin werden Aneignungsprozesse von Kindern und Jugendlichen als demokratische Bildung thematisiert. Damit solche Aneignungsprozesse demokratischer Bildung in Räumen der OJKA gestaltet werden können, müssen dafür förderliche Ermöglichungsstrukturen gegeben und hergestellt werden (ebd., 411). Als Akteure dieser Strukturen werden die Träger und Einrichtungen, die in ihr agierenden Fachkräfte, sowie politische Entscheidungen benannt. Der Bericht beschreibt für diese jeweils diverse Handlungsempfehlungen (ebd., 411-413), wie der Aufruf an politische Entscheidungsträger*innen politische Bildung weniger projektbezogen zu finanzieren, sondern vermehrt langfristig und regelstrukturell.

Der Bericht stellt eine wichtige Grundlage dar, um einen Überblick über aktuelle Diskurse und Erkenntnisse der politischen Bildungsarbeit zu erlangen. Außerdem bietet er reichliche Anregungen zu dessen Weiterentwicklung. Mit dem Ziel politische Bildung als fester professioneller Bestandteil in der Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen zu etablieren ist der Bericht für alle Fachkräfte lesenswert und zu empfehlen.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 2020. Kinder- und Jugendbericht Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter [PDF]. Abgerufen von https://www.bmfsfj.de/resource/blob/162232/27ac76c3f5ca10b0e914700ee54060b2/16-kinder-und-jugendbericht-bundestagsdrucksache-data.pdf

Sinus Jugendstudie

Die SINUS-Jugendstudie „Wie ticken Jugendliche?“ untersucht alle vier Jahre die Lebenswelten der Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland. Die zentralen Fragestellungen der neuen Studie waren: Welche Themen sind derJugendgeneration wichtig? Wie blicken die jungen Menschen in die Zukunft? Wie kommen die Jugendlichen in der Ausnahmesituation der Corona-Krise zurecht?

Die Sinus-Studie 2020 kann auf der Seite der BpB für 4,50 Euro bestellt werden.